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Gegen Atomstrom; www.campact.de

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Von Kerstin Schnatz

Seit dem Bau der ersten kerntechnischen Anlagen vor über 40 Jahren ist unklar, wohin mit dem Jahrmillionen strahlenden Müll. Bisher hatte man sich seit den 1980er-Jahren auf Gorleben als Endlager festgeschossen - vermeintlich weil der Gorlebener Salzstock als sicherster Standort galt. Doch seit gestern liegen Beweise vor, dass damalige Regierungsstellen ein Gutachten zur Eignung geschönt haben. Jetzt will Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ein neues Endlager suchen. Schon 2010 könnte eine echte Erkundungssuche nach einem atomaren Endlager in ganz Deutschland beginnen – auch der Süden stände dann in der Verantwortung.

So geht man in Köln auf Endlagersuche

Foto: Herbert Sauerwein/ Arbeiterfotografie

Zur Festlegung auf Gorleben kam es nur, weil Kohls zuständige Minister 1983 ein kritischen Gutachten zur Eignung entschärften ließen. In den jetzt wieder aufgetauchen Beweisen ist es schwarz auf weiß nachlesbar: Die WissenschaftlerInnen haben in ihren Entwürfen bereits vor über 25 Jahren vor gefährlichen Wasserzutritten gewarnt, die den hochradioaktiven Atommüll im 840 Meter tiefen Salzgestein in die Umwelt spülen würden. Von diesen Gefahren und weiteren Bedenken war im Enddokument allerdings kaum noch etwas zu lesen – Kohls Regierung hatte unliebsame Passagen abschwächen lassen. Kohls Minister ignorierten Warnungen und versuchte sie zu verheimlichen.

Bisher haben CDU/CSU und FDP sich stets für ein weiteres Erkunden Gorlebens ausgesprochen. Das Argument: Es sind doch bereits 1,5 Milliarden Euro in die Arbeiten geflossen, da müsse man jetzt weitermachen. Das Kopfschütteln internationeler WissenschaftlerInnen, über das Vorhaben Atommüll in Salz einzulagern scheint angesichts dieser Summen wenig zu zählen – Salz gilt längst als ungeeignet zur Einlagerung von Atommüll.

Dass das Geld zur Erkundung Gorlebens aufgrund falscher Einschätzungen investiert wurde, müsste selbst die Union jetzt eingestehen. Doch das Kanzleramt reagiert schnell: Die Union hält an Gorleben fest – es gebe bis heute keine geologischen Befunde, die gegen eine Eignung Gorlebens als Endlager spreche. Es ist offensichtlich, dass die Union den Atommüllberg schnellstmöglich in Gorleben unter den Teppich kehren will, um kein Problem mit der geplanten Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke zu kriegen.

Wenn jedoch tatsächlich ab 2010 eine neue Endlagersuche beginnt, wie Bundesumweltminister Sigmar Gabriel vorschlägt, dann müssten vier bis sechs neue Standortregionen ausgwählt werden. Auch die Unions regierten südlichen Bundesländer würden dann in die Verantwortung genommen: Die dort vorzufindenen Tongesteine sind auf der Liste der Gesteine in die Atommüll eingelagert werden kann, ganz oben. Über das Sterben oder Weiterleben Gorlebens entscheiden die Wahlen und die Mehrheitsbildungen in den Koalitionsverhandlungen danach.

Unsere Endlagersuche testet schon jetzt aus, wie die Menschen reagieren, wenn Atommüll vor ihrer Haustür gelagert werden soll – morgen geht die Suche in Mainz weiter – Samstag geht es nach Frankfurt und dann noch weiter in den Süden – nach Stuttgart, München, Nürnberg. Mit Münster schließen wir die Tour im Norden ab.

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Frankfurt, 12. September 2009

Fehler werden in der Vergangenheit gemacht

Heute wird mitten in der Frankfurter Innenstadt diskutiert. Als die Endlagersuche vor der Hauptwache ankommt, sind die Parteien schon da: Wir platzen nicht umsonst mitten in die heiße Wahlkampfphase. Und am Samstag nachmittag lässt sich zwischen Shopping und Cappucchino natürlich das ein oder andere Bonbon an den Mann bringen. Aber dann kommen wir: 300 laute Demonstranten und der riesige Castor-Transport.

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Die Debatte bewegt sich heute zwischen größtem anzunehmenden Unsinn und der Erkenntnis, das Fehler in der Vergangenheit gemacht werden. Eigentlich nichts neues, aber dennoch Grund genug für die Frankfurter in Rage zu geraten. Der Klassiker „Deutsche AKWs sind sicher“ wird mit Buhrufen auf dem Publikum quittiert. Auch schön: Es gibt keine Gutachten, die Gorleben als Endlager in Frage stellen - so gehört vom CDU-Mann Matthias Zimmer. Der die Schuld für den Stand der Endlagerfrage außerdem klar dem SPD-Bundesumweltminister Gabriel in die Schuhe schiebt: Wäre der so hartnäckig wie die Antiatombewegung wäre man in Sachen Atommüll sicher schon viel weiter. SPD-Mann Gregor Amann findet das nicht so lustig.

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Rolf Würz von der FDP weiß zu beschwichtigen: Alles in allem gibt es demnach heute keinen wirklichen Grund zur Beunruhigung: Fehler seien in der Vergangenheit gemacht worden. „Gorleben ist ein Problem dass sich die Politik selbst geschaffen hat“, sagt Würz. Die Einigung auf den Standort Gorleben sei weniger eine fachliche als eine politische gewesen. Soviel zum Endlager. In Sachen Atomkraft jedoch sei sein „Glaube an die deutschen Ingenieure“ ungebrochen.

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Dagegen setzt Christine Buchholz von der Linken die Forderung nach dem sofortigen Atomausstieg. Und Martina Feldmayer von den Grünen spricht gar vom größten anzunehmenden Unsinn. Wobei sie nicht ganz unrecht hat, ist doch plötzlich die Rede von 150 neuen Atomkraftwerken, die weltweit neu gebaut würden. Die Internationale Atomaufsicht spricht dagegen von lediglich 35.

Das Publikum setzt jedenfalls auch nach der Endlagersuche den lautstarken Auftritt fort und sorgt für zahlreiche verbale Attacken und Kommentare. Für die Frankfurter sind die Wahlkampf-Bonbons von Schwarz-Gelb offenbar nichts als bittere Pillen. Und die mag niemand gerne schlucken.

Medienberichte zur Aktion:

 

Frankfurt, 12. September 2009

Frankfurt gibt Stoff

Protest Frankfurt

Der Druck wächst: Nur noch fünf Termine auf unserer Endlagersuche. Und noch immer konnten wir kein geeignetes Lager finden für die Millionen Tonnen Atommüll, die deutsche Atomkraftwerke produzieren. Frankfurt muss sich deshalb hohen Erwartungen stellen – und lässt zu hunderten zur Suche nach dem Endlager anrücken.

Die Stimmung ist grandios: Frankfurt ist mit Sicherheit einer der lautesten Standorte der Endlagersuche. Die Trommler auf den Atommüll-Fässern geben den Takt vor während die Nuklearwissenschaftler das Mainufer untersuchen. Sogar der Frankfurter Kaiserdom hat sich in einen weißen Strahlenschutzanzug gesteckt.

Protest Frankfurt

Vom Ufer zieht der Castor durchs Finanzviertel in die Stadt. Frankfurt setzt in Sachen Architektur auf Höhe – was dem Endlagerzug auch viele Zuschauer aus den oberen Etagen beschert. Vielleicht könnten die nächsten Skyscraper auf einem Atommüll-Fundament gebaut werden? Die Wissenschaftler nehmen jede Möglichkeit unter die Lupe: Zwischen Parfümerie und Kanalisation bleibt die Suche allerdings ohne Erfolg. Vielleicht kann ja Flughafenbetreiber Fraport den Atommüll beim umstrittenen Ausbau des Rhein-Main-Airports versenken, schlägt einer der strahlenden Experten vor.

Protest Frankfurt

Alles hängt jetzt an der großen Probebohrung vor der Hauptwache. Ein letztes Mal konzentrieren sich die Nuklearexperten und gehen Frankfurt im wörtlichen Sinne auf den Grund. Das Ergebnis ist eindeutig: Keine Chance für ein Atommüll-Endlager. Die Stimmung könnte trotzdem besser nicht sein. Sogar die Polizei scheint in Frankfurt ihren Spaß an der Demo zu haben– und das Ordnungsamt verpasst dem Castor fast einen Strafzettel für Falschparken. Alles nur im Scherz versteht sich. Aber irgendwie ist ja was dran.

Protest Frankfurt


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